Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
Psalm 121,1–2 (Luther 1912)
Erst aufschauen
Sorgen haben eine Haltung. Kinn unten, Schultern eingerollt, der Blick auf die dreißig Zentimeter direkt vor dem Gesicht — ein Bildschirm, eine Rechnung, derselbe Absatz desselben besorgten Gedankens. Das Problem füllt das ganze Blickfeld, weil du dein Blickfeld exakt auf Problemgröße geschrumpft hast.
Der Psalm beginnt an einer merkwürdigen Stelle: nicht mit einer Antwort, sondern mit einer Bewegung des Nackens. Ich hebe meine Augen auf. Dann erst die Frage, die das Hebräische stellt: Woher kommt mir Hilfe? Die Reihenfolge ist der ganze Trick. Er klärt nicht erst alles und schaut dann auf. Er schaut auf, und die Frage wird möglich. Aufmerksamkeit kommt zuerst. Hilfe kommt durch eine Tür, zu der man hingedreht sein muss.
Du musst nichts glauben, um das zu testen. Geh ans Fenster. Such das Fernste, was du sehen kannst — einen Hügelkamm, ein Dach, das Ende der Straße — und lass deine Augen dort eine Minute liegen. Merk, was Entfernung mit dem Kopf macht: Die Dinge bekommen ihre wirkliche Größe zurück. Der Psalm sagt, Hilfe kommt von dem, der das gemacht hat, worauf du gerade schaust. Fang an, wo er angefangen hat. Erst aufschauen, dann fragen.
Was ist das Fernste, worauf du heute geschaut hast?
Ich weiß nicht, woher Hilfe kommt, aber ich hebe trotzdem die Augen.