Selah

8. September 2026 · Psalm 4

Redet mit eurem Herzen auf eurem Lager und harret. Sela. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, daß ich sicher wohne.

Psalm 4,5.9 (Luther 1912)

Deckel zu

Vierzig Tabs offen, drei Entwürfe nicht abgeschickt, ein Streit summt noch — und trotzdem klappst du jeden Abend den Laptop zu. Du schließt nichts ab. Du hörst nur auf. Die Maschine hält alles im Dunkeln fest, und irgendwie ist das erlaubt.

Wer Psalm 4 schrieb, hatte eine schlechte Nacht. Leute verbreiteten Lügen über ihn, und die Stimmung ringsum war sauer: Wer zeigt uns, was gut ist? Nichts in dem Psalm wird repariert. Keine Entschuldigung trifft ein, kein Urteil spricht ihn frei. Stattdessen tut er das Letzte, was die Logik der Krise erlaubt. Er legt sich hin. Absichtlich, mitten in der Krise. Seine Sicherheit, sagt er, kommt nicht daher, dass er wach bleibt und alles im Griff behält.

Man kann das Glauben nennen oder Vernunft; testbar ist es so oder so, heute Nacht. Das Unerledigte ist um sieben Uhr früh genauso unerledigt, ob du es bewachst oder nicht. Schlaf ist das nächtliche Eingeständnis, dass die Welt ohne deine Aufsicht läuft — acht Stunden Übung darin, nicht zuständig zu sein. Der Psalmist glaubte, dass jemand Verlässliches die Wache hält. Du bist dir vielleicht nicht sicher. Den Deckel zuklappen kannst du trotzdem.

Eine Frage

Was darf heute Nacht unfertig bleiben?

Ein Gebet

Ich weiß nicht, ob du da bist, aber ich schlafe jetzt, als wäre da jemand.