Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Hort, meine Hilfe und mein Schutz, daß ich nicht fallen werde.
Psalm 62,6–7 (Luther 1912)
Die Ankunftshalle
In einer Ankunftshalle am Flughafen tut niemand irgendetwas. Die Leute stehen, den Blick auf der Schiebetür, der Kaffee wird kalt in ihren Händen. Nach jeder Produktivitätsmetrik ist das verlorene Zeit. Aber keiner dort würde sie leer nennen. Das Warten hat ein Gesicht auf der anderen Seite.
Das ist die Stille in Psalm 62. Der Schreiber leert nicht seinen Kopf und jagt keiner Ruhe hinterher. Seine Stille zeigt irgendwohin. Sie hat eine Adresse. Er wird still, wie man an dieser Tür still wird — weil Reden am Punkt vorbeiginge und weil jemand kommt.
Die meisten von uns behandeln Stille wie ein Loch im Empfang: Kopfhörer auf dem Weg, Handy in der Schlange, alles lieber als das Brummen im eigenen Kopf. Vielleicht, weil unsere Stille auf nichts gerichtet ist — und Stille, die auf nichts gerichtet ist, fühlt sich an wie Fallen. Versuch heute eine Strecke Stille, die irgendwohin schaut. Du musst nicht sicher sein, dass jemand durch die Tür kommt. Die Leute in der Ankunftshalle sind es auch nicht — Flüge verspäten sich, Pläne ändern sich. Sie bleiben trotzdem. Warten ist nur Hoffnung, die still steht.
Wohin schaut deine Stille?
Falls jemand auf der anderen Seite dieser Stille ist, bin ich bereit zu warten.