Denn da ich's wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein täglich Heulen. Darum bekannte ich dir meine Sünde und verhehlte meine Missetat nicht. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Missetat meiner Sünde. Sela.
Psalm 32,3.5 (Luther 1912)
Als ich schwieg
Dieses Magazin veröffentlicht täglich Stille. Heute macht es eine Ausnahme. Psalm 32 kennt nämlich zwei Arten von Schweigen, und nur eine davon heilt. Die andere beschreibt er genau: da ich's wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine. Nicht „ich war traurig“. Gebeine. Etwas Ungesagtes, Tag und Nacht mit sich herumgetragen, zeigt sich im Körper, bevor es im Kopf ankommt; wie es im Sommer dürre wird, sagt der Psalm, und wer je eine Lüge getragen hat, eine Schuld oder eine Entschuldigung, die er jemandem schuldete, weiß, welches Wetter gemeint ist.
Dann ein Satz, ohne Anlauf: ich bekannte es dir. Kein Besserungsprogramm, keine Frist. Er sagte es laut zu dem, der es ohnehin wusste, und die Gebeine kamen zurück. Zwischen den beiden Hälften des Psalms steht das Wort, nach dem dieses Magazin heißt. Sela. Pause. Lass es sich setzen. Als hätte der Psalmist einen Moment gebraucht, bevor er glauben konnte, dass es so leicht gewesen war.
Das heutige Innehalten handelt also nicht vom Stillsein. Es handelt von dem einen Satz, den du mit dir trägst und den du in drei Sekunden sagen könntest, wenn du wolltest. Niemand muss ihn hören außer dem, der ihn ohnehin kennt. Der Rest ist Schweigen, diesmal das richtige.
Welchen Satz trägst du heute ungesagt mit dir herum?
Ich weiß, dass du es weißt. Ich sage es dir trotzdem.